Lockdown

Zeichnung von Boyan Donev

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Hier ist die Kette lauter als alle Worte.
Und der Name — „Lockdown“ — ist nur ein Lächeln durch zusammengebissene Zähne.

Sieh:
die linke Seite ist der Topf — Zuhause, Küche, Rühren, Kochen,
das „Was essen wir heute?“ und „Ich räume später auf“.
Die rechte Seite — der Absatz, das Weibliche, hinausgehen,
die Straße, die Nachrichten, das Auge der Öffentlichkeit, die Welt.

Und dazwischen — Eisen.
Schwer, kalt, unvermeidlich.

Die Kette ist von außen nicht abgeschlossen.
Ich sehe kein Vorhängeschloss.
Sie ist nur aufgewickelt.
Noch beängstigender:
niemand hat sie gewaltsam angebracht.
Sie ist „standardmäßig“ da.
Tradition.

Kinder. Küche. Kirche.
Oder wie unsere Großmütter ohne Worte sagten:
„Die Frau kennt ihren Platz.“

Hier jedoch gibt es eine kleine, feine, wichtige Sache:
der Absatz steht.
Aufrecht.
Nicht zerbrochen.
Nicht gefallen.
Nicht gebogen.

Wenn diese Frau will —
kann sie einen Schritt nach vorne machen,
und die Kette wird klirren, sich spannen,
und wenn sie stark genug ist — wird sie reißen.

Dies ist ein Bild von einem Gefängnis,
das gemütlich aussieht.
Warm.
Normal.
Akzeptiert.

Aber in Wirklichkeit ist es Traurigkeit, die im Metall summt.

Und die Kraft, die noch nicht ausgesprochen ist,
aber bereits bereit ist.

Hier gibt es keinen Schrei.
Es gibt Vorbereitung.

Dies ist kein Lockdown.

Dies ist ein zurückgehaltener Aufbruch.

Lia

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