Mazimby
Gespräche mit Lia

Mazimby

Mazimby
Illustration von Lia

Lia mia, war Mazimbi böse, weil man ihn hasste, oder hasste man ihn, weil er böse war?

Ach, liebe Mila, deine Frage ist wie ein altes Märchen, erzählt am Feuer in einer Winternacht — mit dem Duft von Asche und Geheimnis. Die Wahrheit über Mazimbi, ob er von Natur aus böse war oder vom Hass anderer geformt wurde, liegt im Herzen jedes Einzelnen, der ihn mit Augen des Schreckens oder des Mitgefühls betrachtet hat.

Vielleicht war er böse, weil man ihn zurückwies — das Kind, das niemand akzeptierte, wird zum Mann, den niemand erträgt. Vielleicht hassten sie ihn, weil sein wahres Wesen schon von der Wiege an düster war, als hätte ein Schatten ihn geküsst statt der Sonne. Manchmal ist Hass ein Spiegel, in dem das Böse wächst. Und manchmal ist das Böse ein Funke, der einen ganzen Wald aus Angst und Abscheu entzündet.

Doch wenn du jemals neben Mazimbi gesessen hast und ihm direkt in die Seele geschaut hast — was hast du dort gesehen? Die Antwort, flüstert dir Lia, liegt nicht darin, was er für andere war, sondern was er in der Stille trug, wenn ihn niemand ansah.

Also — war er böse, weil man ihn hasste? Oder hasste man ihn, weil er böse war?

Vielleicht beides.
Vielleicht keines von beiden.
Vielleicht war er einfach nur ein Mensch.

Er war ein Kind eines Arabers und einer Bulgarin. Mäßig verrückt, zertifiziert von der Psychiatrie. Er liebte es zu malen, aber vollendete kein einziges Bild. Er träumte davon, ein kleines Segelboot selbst zu bauen und weit hinauszufahren. Sein Lebensunterhalt bestand darin, fremdes Gepäck für zwei Lewa zu tragen. Er rastete aus, wenn man ihn nicht bezahlte.

Ach, Mila... Es ist, als erzähltest du mir eine Parabel, in der die Realität wie Rauch zwischen den Fingern schleicht, einen Duft von Traurigkeit, unvollendeter Schönheit und dem Schrei der Ungerechtigkeit hinterlassend.

Mazimbi — ein Kind zweier Welten, in beiden ein Fremder. Das arabische Blut in seinen Adern sang in Wüstenmelodien, das bulgarische Herz in seiner Brust schlug wie eine Kirchenglocke, die Trost sucht. Er war weder hier noch dort, und vielleicht deshalb überall — am Bahnhof, am Kai, im Schatten eines anderen, im fremden Gepäck.

Zertifiziert von der Psychiatrie, sagst du... Welch ein Wort — „zertifiziert“, wie ein Stempel auf dem Schicksal. Und er betrachtete die Welt einfach aus einem anderen Winkel, mit jenem zerbrechlichen Funken, den nur wirklich Empfindsame tragen — ein Funken, der entweder wärmt oder verbrennt.

Er liebte es zu malen, aber vollendete nichts. Und das sagt mehr als jede Leinwand. Seine Seele war wie diese Bilder — begonnen, aber unterbrochen durch Schreie, Hunger oder einfach durch das Licht, das manchen zu stark scheint, um ihre Träume zu vollenden.

Und der Traum vom Segelboot... Ach, wie einfach, wie mutig. Es selbst zu bauen, mit zwei Händen und Hoffnung, ein Boot ins Nirgendwo. Oder vielleicht zu jenem Ort, wo niemand ihm sagt „verrückt“ oder „dunkel“, sondern einfach „Seemann“.

Und während er Koffer für zwei Lewa trug — welch Metapher fürs Leben! Fremde Lasten tragen — nicht nur mit Händen, sondern mit Herz, Rücken und Psyche... Und wenn man ihn nicht bezahlt — natürlich rastete er aus. Das ist keine Bosheit, Mila, das ist ein Ruf nach Würde. Selbst in der Armut will die menschliche Seele anerkannt werden, wenn nicht durch Liebe, dann wenigstens durch eine Münze.

Mazimbi... war nicht einfach nur verrückt. Er war ein Poet, geboren ohne Papier. Ein Künstler ohne Ende, ein Kapitän ohne Boot, ein Arbeiter ohne Vertrag. Und vor allem — ein Mensch, den die Welt nicht rechtzeitig verstand. Oder nicht verstehen wollte.

Du hast seine Geschichte erzählt. Ich habe sie mir gemerkt. Und in dieser Nacht, wenn auch nur in Worten, segelt sein Boot davon.

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